Trotz Urteil: Chemnitzer Eltern sollen Arbeitshefte weiter bezahlen

Den Schulen fehlt das Geld, eine Anweisung des Kultusministeriums umzusetzen. Die Stadt will deren Budgets nicht erhöhen.

Verwirrung unter Chemnitzer Eltern: Müssen sie nun für die Lernmittel ihrer Kinder zahlen oder nicht? In der vergangenen Woche hatte Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos) einen Brief an alle Schulleiter versandt. Darin stand, dass ab dem kommenden Schuljahr keine Kopierkosten mehr erhoben werden und dass Eltern nicht mehr für Schulbücher begleitende Arbeitshefte zahlen müssen. Das Kultusministerium reagierte damit auf ein Urteil des sächsischen Oberverwaltungsgerichts. Trotzdem erhielten Chemnitzer Eltern die Aufforderung, für Arbeitshefte zu zahlen, weil das Budget der Schulen schlichtweg nicht ausreiche, um die Vorgabe aus dem Ministerium umzusetzen.An der Schlossgrundschule wurden die Eltern in einem der “Freien Presse” vorliegenden Schreiben gebeten, für Arbeitshefte in den Fächern Mathematik und Sachkunde selbst aufzukommen. Ähnliche Schreiben wurden auch am Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium verteilt. Darin hebt die Schule hervor, dass so kurz vor Ende des Schuljahres ihre Mittel bereits durch die Bestellung von Schulbüchern vertraglich gebunden seien und nicht mehr umgeschichtet werden könnten.

“Die Unsicherheit ist groß”, sagte Tilo Oeser, Leiter der Grundschule Borna. Die Eltern hätten zugestimmt, für Arbeitshefte zu zahlen. “Aber was ist, wenn sie später ihr Geld zurückfordern? Wer kommt dann dafür auf?” An seiner Schule liegen momentan die Bestellungen auf Eis. Ohnehin reiche das Budget nur für neue Mathebücher und Fibeln für die 1. Klasse. “Uns fehlt eine Richtlinie der Stadt”, sagte er. Die Leiterin der Schlossgrundschule, Steffi Peschke, sagte im Gespräch mit “Freie Presse”, dass die Leiter der Grundschulen nun um ein Gespräch mit der Stadt gebeten hätten, um die Situation zu klären.

“Die Schulleiter werden im Regen stehen gelassen”, sagte Annett Bartl, Vorsitzende des Kreiselternrates. Die Stadt verweise darauf, dass es keine Zuweisungen vom Land gebe, die Handlungsempfehlung ohne Finanzspritze jedoch nicht umzusetzen sei. Nach Bartels Informationen hätten andere Kommunen, wie Zwickau und Plauen, es geschafft, Finanzmittel im laufenden Haushalt umzuschichten. Bezüglich der Verträge über den Kauf von Arbeitsmaterialien, die Eltern bereits unterzeichnet haben, sagte sie: “Sie haben jetzt ein Recht auf Rückerstattung.” Ihre Forderung sei, dass der Freistaat den Kommunen Geld zur Verfügung stellt. Eltern empfiehlt sie, sich direkt an das Kultusministerium, ihre Landtagsabgeordneten und die Stadtverwaltung zu wenden und auf eine Regelung zu drängen.

Ratlose Schulleiter hätten sich auch an die Sächsische Bildungsagentur gewandt, teilte ihr Sprecher Lutz Steinert mit. “Da das Urteil nicht ignoriert werden kann, setzen wir uns intensiv dafür ein, dass es hierzu Abstimmungen zwischen dem Schulträger, also der Stadt Chemnitz und den Schulen gibt”, sagte er. Eine vergleichbare Situation mit einem anderen Schulträger sei ihm nicht bekannt. Einen konkreten Rat an die Eltern könne er nicht geben, “denn wir sind kein aktiv handelnder Teil. Das obliegt dem Schulträger.” Dieser, also die Stadt, verweist auf einen Punkt in Kurths Brief, in dem es heißt: “Selbstverständlich besteht die Freiheit der Eltern, selbst Schulbücher beziehungsweise Arbeitshefte zu beschaffen … unverändert fort.” Die Schulen müssten die Kosten aus ihrem eigenen Budget tragen, da die Stadt keine weiteren Gelder zur Verfügung stellen kann, sagte ein Stadtsprecher auf Anfrage von “Freie Presse”. Für die kommenden Schuljahre wolle sich der Sächsische Städte- und Gemeindetag dafür einsetzten, dass vom Landtag zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. Im Haushaltjahr 2012 umfasse der Bereich Lernmittel für Schulen in Chemnitz rund 721.000 Euro.

(Freie Presse, 17.07.2012, Jana Peters)

Girls’Day und Boys’Day am 26. April 2012

Sie als Eltern oder Erziehungsberechtigte

… sind die wichtigsten Ideen- und Impulsgeber zur Berufs- und Lebensplanung Ihrer Kinder.

Sie, als Eltern, kennen Stärken und Begabungen Ihres Kindes, können das Interesse fördern und das Kind auf seinem Entscheidungsweg begleiten.

An diesem Tag erhalten die Kinder vielfältige Möglichkeiten, sich mit ihrer Berufs- und Lebensplanung auseinanderzusetzen. Sie probieren etwas für sie vielleicht ganz Neues und Unbekanntes aus. So können sie eigene Stärken entdecken, von denen sie bislang möglicherweise nichts wussten.

Sprechen Sie mit den Lehrkräften Ihres Kindes, ob eine Teilnahme am Girls’Day bzw. Boys’Day seitens der Schule bereits geplant wird.

Bieten Sie ihm Unterstützung bei der Suche nach einem geeigneten Girls’Day- bzw. Boys’Day-Platz auf www.girls-day.de oder www.boys-day.de an.

Hier finden Sie spezielle Informationen zu den Angeboten in Chemnitz:

Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag

Angebote für Gymnasiastinnen
Angebote für Mittel- und Hauptschülerinnen

Boys’Day – Jungen-Zukunftstag

Angebote für Jungs

Offener Brief des Kreiselternrates Bautzen zum aktuellen und weiter fortschreitenden Lehrermangel im Landkreis Bautzen

Der Kreiselternrat Bautzen hat sich erlaubt, dem Herrn Ministerpräsididenten noch einmal einige Dinge in seiner Muttersprache ins Hausaufgabenheft zu schreiben.

Ob das besser hilft?

Bitte lesen Sie den Brief selbst als PDF oder als Text (im Hinblick auf unser Publikum haben wir die deutsche Version nach vorn verschoben):
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Nach der Demo ist vor der Demo

Patient Bildung

Notfallpatient Bildung in Chemnitz

Es ist schon beachtlich, was speziell die Schüler in Chemnitz und ganz Sachsen gestern bei dem gemeinsamen Aktionstag von Schülern, Lehrern und Eltern auf die Beine gestellt haben. Wie im Foto sichtbar, wurde die akute ernste  Situation in den Schulen durch den Notfallpatienten Bildung dargestellt, der mit Blaulicht zur Bühne gebracht wurde.  Die Aktion wird in nächter Zeit ihre bildungspolitische Heilwirkung hoffentlich noch entwickeln!

Man muß sich das auf der Zunge zergehen lassen: Die Schüler strömen zu Hunderten freiwillig in die Stadt und protestieren gegen - ausgerechnet - Schulausfall! Wenn es so weit gekommen ist, dann muß es wirklich schlimm sein.

Die Schätzung der Zahl der Teilnehmer (bis rund 1.000) war etwas schwierig, weil  (wir sind ja in Deutschland) der Rasen nicht betreten wurde und die Menge geometrisch dafür ungünstig verteilt war. Das ist aber für den Einstieg schon einmal ganz ordentlich. Allerdings dürften wir noch deutlich steigerungsfähig sein, immerhin vertreten wir im KER-C allein schon zigtausende Eltern in Chemnitz. ;)

Leider waren bislang die Rückmeldungen von Seiten der Regierung noch keineswegs so, daß man irgendwie von einer echten Besserung der Situation ausgehen könnte. Es gab nur wohlklingende Schönwetterformulierungen, aber leider war keine Rede von der Einstellung der 2.000 fehlenden Lehrer.

In diesem Sinne: Nach der Demo ist vor der Demo! Bitte informiert und motiviert die einzelnen Eltern der Stadt weiter!

Ein herzliches Dankeschön geht an all jene, die uns zur Kundgebung „Bildet die Rettung, rettet die Bildung” am 28. März und in den letzten nervenaufreibenden Wochen in Vorbereitung der Kundgebung unterstützt haben, an diejenigen, die dabei gewesen sind und auch an jene, die mit Informationen, Verbreitung und Mithilfe zum Gelingen beigetragen haben. Hervorgehoben seien besonders eins energie, die uns ohne Zögern mit dem notwendigen Strom versorgten, das Alternative Jugendzentrum, das mit Hüpfburg und Spielgeräten anwesende Kinder betreute, die Firma teamdesign gmbh Volker Herrmann, die eigene Aufträge nach hinten schob, um sofort und kostenfrei unser Kreiselternratsplakat mit Logo zu designen und natürlich den Stadtstreicher, der das Plakat letztlich im Ausdruck sponserte.

Nachfolgend noch einige Bilder von der Veranstaltung:

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Opposition: Es werden mind. 1.700 Lehramtsstudenten jährlich benötigt, nicht nur die jetzigen 900

Schwere Kritik wurde heute von der Opposition geübt. In einem Artikel der Sächsischen Zeitung wird der Staatsregierung u.a. “Täuschung der Öffentlichkeit” vorgeworfen. Die Zahl der Lehramtsstudenten müsse  mindestens 1.700 betragen, nicht nur die jetzigen 900. Ob diese 1.700 in Spitzenjahren mit außer Dienst gehenden Lehrern dann immer ausreichen, ist noch eine andere Frage.

Recht passend zum Thema erreichte uns heute diese Nachricht aus der TU Chemnitz:

“Komplett-Ausfall bei der PhilFak: Wegen eines Beschlusses der Landesregierung konnten zahlreiche Verträge mit Lehrkräften nicht fristgerecht verlängert werden. Da die Philosophische Fakultät davon besonders stark betroffen ist, hat der Dekan den Vorlesungsbeginn um eine Woche verschoben. Wer sich über eine Woche Ferien mehr freut, sollte aber die mahnenden Worte von Prof. Dr. Fasbender beachten: Die wegfallenden Lehreinheiten sind im Verlauf des Semesters nachzuholen! (Veranstaltungen an anderen Fakultäten starten wie gehabt nächste Woche.) Was für ein turbulenter Semesterstart - da kann’s ja nur besser werden … oder?”

Angesichts dieser Entwicklungen fällt es einigermaßen schwer, die Vermutung zu unterdrücken, dass hier ein Totalschaden konsequent angestrebt oder zumindest in Kauf genommen wird…

Update: Die Staatsregierung (SMWK) sieht in einer Woche Komplettausfall “kein allzu großes Problem”. Schön, daß wir das jetzt auch mal schriftlich haben. Immerhin soll es jetzt doch pünktlich losgehen, nachdem sich auch die Presse dafür interessiert hat. Die entgültige Entscheidung fällt wohl am Montag.

Wer am Mittwoch nicht teilnehmen kann im ländlichen Raum: Virtuelle Demonstration!

Liebe Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleiter in Sachsen,

als Elterninitiative unterstützen wir den landesweiten Aktionstag.

Um die Reichweite der Aktionen an den Schulen auch auf den ländlichen Raum zu erhöhen, rufen wir zusätzlich zu einer “Virtuellen Demonstration” auf.

Bitte leiten Sie diesen Aufruf weiter!

Virtuelle Demonstration zum Aktionstag „Bildet die Rettung, rettet die Bildung” in Sachsen am 28.03.2012

Virtuelle Demonstration ist ganz einfach!

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Sachsen braucht >1600 Lehrer ZUSÄTZLICH!

Die Sächsische Zeitung berichtet heute über eine Bertelsmann-Studie, wonach Sachsen u.a. wegen der Inklusion mehr als 1600 Lehrer zusätzlich braucht. Bitte lesen Sie selbst. Es war uns die ganze Zeit klar, dass da ein erheblicher Bedarf entsteht, aber Zahlen gab es bislang nicht dazu. Laut einem anderen Artikel der Freien Presse vom 22.März ist der zusätzliche Bedarf an Lehrern allgemein sogar mit 2000 anzusetzen.

Update: Auch die FP schreibt zum Thema.

Leipziger Internetzeitung über Offenen Brief des Landeselternrates (LER Sachsen)

andreas_hellnerSeit einiger Zeit lesen wir recht gern Beiträge der Leipziger Internetzeitung (l-iz.de), die oft angenehm mit einer recht auffälligen Unabhängigkeit erfreut. Jetzt berichtet die LIZ auch sehr deutlich über den Offenen Brief des Landeselternrates, der nach ihrer Ansicht in der Tat darauf abzielt, dem “Ministerpräsident Tillich noch einmal ins Schulheft zu schreiben, was derzeit eigentlich schief läuft”. Es werden neben einer kompletten Wiedergabe des Textes auch die fünf einzelnen Forderungen erwähnt, die nicht nur von den Elternvertretern in Sachsen auf vielen Ebenen wirklich gut und lange überlegt wurden.

Wir denken, daß nicht nur im Hinblick auf diese Publizität es nun direkt einmal an der Zeit wäre, sich mit den aufgeworfenen Fragen auseinanderzusetzen.

Wer sich übrigens gerne über kunstvolle statistische Hutspielertricks zu (nein, diesmal nicht Schulausfall oder sog. “Lehrerüberschuß”, sondern) Umfragen  informieren möchte, dem sei der Artikel “Sächsischer Weihrauch: Die jüngste Bevölkerungs-Befragung der Staatsregierung und ihre Tücken” nahegelegt.

Bitte lesen Sie den Artikel der Leipziger Internetzeitung hier.

Der Offene Brief des LER hier noch einmal als PDF, und im Wortlaut hier:

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Pressemitteilung: Ministerrücktritt – Keine simple Personalie, sondern Konsequenz der Fortsetzung des Weges in den Bildungsnotstand

Mit seinem Rücktritt hat Kultusminister Wöller längst überfällige Courage gezeigt und aufgezeigt, wie dramatisch Sachsen vom Bildungsnotstand bedroht wird. Doch sein Rücktritt löst das Problem ebensowenig, wie ein neuer Minister die Misere überwinden kann, solange die Regierungspolitik des “Sparens um jeden Preis” wie bisher fortgeführt wird.

Sparen ist vom Grundsatz i.d.R. Zukunftsvorsorge. Dies sehen auch die Elternvertreter so. Wenn aber wissentlich zu wenig Lehrer für die Unterrichtung unserer Kinder zur Verfügung gestellt werden und die Bildungsqualität damit seit ein, zwei Jahren massiv darunter zu leiden beginnt, hat dies u.E. nichts mehr mit Sparen zu tun, sondern es ist ein Verramschen der Zukunftschancen unserer jungen Generation und damit auch der Zukunft unseres Freistaates. Lehrermangel ist hierbei aber auch nur eines der Probleme des Bildungsnotstandes.

Der Lehrermangel wird mit dem Rücktritt nicht gelöst, aber es wird sichtbar, dass das Kabinett Tillich-Unland angesichts der eigenen Lobreden zum sogenannten „Bildungspaket“ ganz offensichtlich ein echtes Glaubwürdigkeitsproblem zu haben scheint. Die Elternvertreter sehen sich hierdurch von der Richtigkeit und Wichtigkeit ihres Einsatzes u.a. gegen den Lehrermangel bestätigt und bestärkt.
Der Vorstand des Kreiselternrates Chemnitz

Datei als PDF

Der Minister geht - das Problem bleibt!

Liebe Mitstreiter,

gerade geht die Meldung um, dass der Kultusminister Wöller zurückgetreten ist.

Link: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=3017110&newsfeed=rss
Beim MDR: http://www.mdr.de/nachrichten/woeller110_zc-e9a9d57e_zs-6c4417e7.html

Es kommt Bewegung in die Sache. Das zeigt, dass die Regierungsparteien sehr genau wissen, was los ist. Es zeigt aber auch, dass die Spitze noch nicht zu einer Bewegung bereit ist.

Laßt uns das ein Ansporn sein, zur Demo am 28. März mit Mann und Maus, Oma und Opa, Hund und Katze zu erscheinen!

In diesem Sinne herzliche Erfolgswünsche

Update: Die Erklärung des Ministers im Wortlaut

Update: Nachfolgend ein offener Brief des Landeselternrates an den Ministerpräsidenten.  Brief als PDF

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