PISA, Lehrerstreik, Lehrermangel und die durchschnittlich 25 Schüler/Klasse – Wer weit oben ist, kann tief fallen!

PISA, Lehrerstreik, Lehrermangel und die durchschnittlich 25 Schüler/Klasse – Wer weit oben ist, kann tief fallen!

Aufruf zum Schulterschluss
Es geht nicht nur um das Einkommen, sondern um viel viel mehr!

Wir brauchen einen grundlegenden Wechsel in der Lehrerpersonalpolitik des Freistaats Sachsen!

Wenn erst einmal die Lehrer fehlen und Unterrichtsausfall und Schulsterben um sich greift, wen interessiert dann noch, wie hoch die Lehrereinkommen im Verhältnis zu anderen Einkommen der Region sind?
Die Fragen werden dann wahrscheinlich lauten:
Warum haben wir es zugelassen, dass die Lehrer nicht mehr in Sachsen
gehalten werden können, weil sie hier so viel weniger verdienen als in anderen Ländern? Warum haben wir zu wenig Lehrer ausgebildet? Warum haben wir nicht vorgesorgt?

Liebe Eltern, Großeltern, Schüler und Lehrer,
liebe Bürger von Chemnitz und Sachsen,

vor einigen Jahren haben wir mit dem Kompromiß zum Volksbegehren kleinere Klassen und somit bessere Lernbedingungen für unsere junge Generation durchsetzen können. Aus ganz Deutschland wird uns dies bestätigt! Die derzeitigen Erfolge bei PISA zeigen, dass dieser Kampf nicht nur zum Erhalt der Schulstandorte notwendig und sinnvoll war, sondern auch uns auch qualitativ nach vorn katapultiert hat.

Kleinere Klassen bedeuten aber neben guten Lernbedingungen auch einen höheren Lehrerbedarf. Der Freistaat Sachsen hatte lange genug Zeit, hier entsprechende Weichenstellungen vorzunehmen. Statt dessen hat er jedoch konsequent die vermeintlichen Einsparpotentiale aus Rückbau der Ausbildungskapazitäten, Personalreduzierung und Einkommenshöhen ausgereizt - Gesundsparen des Freistaates auf Kosten der Ausbildung der folgenden Generation und des sie betreuenden Personals.

Das Ergebnis ist so fatal, wie es voraussehbar war und oft genug auch voraus gesagt wurde: Akuter Lehrermangel !

Sachsen steuert ungebremst in einen Lehrermangel hinein, wie wir ihn bisher nur aus den Trauerspielen alter Bundesländer kannten. In den nächsten 15 Jahren werden fast 85 % unserer Lehrer altersbedingt in den Ruhestand gehen - pro Jahr durchschnittlich 5,6 % aller Lehrer!

Für den Ersatz von Lehrern in einer derartigen Größenordnung gibt es aber u.E. in Sachsen weder die ausreichenden Ausbildungsbilungsressourcen noch die finanzielle Absicherung.

Es mag löblich von Kultusminister Dr. Wöller sein, die alten Bundesländer für die massive Abwerbung zu rügen, welche nach dem Ausbluten von Berlin nun auch Sachsen erreicht hat. Letztlich aber legt der Freistaat mit Entlohnung, Einstellungsbedingungen und Personalpolitik die Grundlage dafür, dass eine Abwerbung auf so fruchtbaren Boden fällt.

Ein Drittel höhere Verdienstmöglichkeiten, Einstellungsgarantien und Verbeamtung - z.B. in Baden-Würtenberg - sind aber Pfunde, mit denen sich eben wuchern lässt.

Ein Umdenken scheint nicht in Sicht!
Der Druck auf größere Klassen in den Städten ist nur ein Vorspiel. Der scheinbar sichere ländliche Raum wird leider bald folgen müssen!

Statt die Rahmenbedingungen für Lehrer zu verbessern, die Ausbildungskapazitäten zu erhöhen und sich massiv um das Halten aller Lehrer und Lehrerstudiumabsolventen zu bemühen, hat der Freistaat sich entschlossen, die Klassenstärken den immer weniger werdenden Lehrern anzupassen.

Zuerst werden die großen Städte mit einer auf fragwürdigen Kennziffern fußenden Ministererlass-Förderrichtlinie gezwungen, ihre Klassenstärken deutlich zu erhöhen. Wer sich weigert und sich auf die zulässigen Klassenbildungskenngrößen im Gesetz beruft, wird abgestraft. Am Beispiel der jetzt schon mehr als einjährigen Fördermittelverweigerung für Chemnitz wird die restriktive Vorgehensweise des Freistaates auf traurige Weise deutlich.

Doch auch im ländlichen Raum ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann bei Fortsetzung des jetzigen Kurses die Klassen vergrößert werden müssen und das Gespenst massiver Schulschließungen wieder am Horizont aufmarschiert. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass es dann wahrscheinlich noch schwerer sein dürfte, für den ländlichen Bereich ausreichend Lehrer rekrutieren zu können.

Der sich abzeichnende Lehrermangel wird wahrscheinlich - ohne Kurswechsel - so ähnlich vernichtend für die ohnehin schon “gesundgeschrumpften” Schulnetze sein, wie 2000 bis 2004. Diesmal ist aber ergänzend noch mit einer deutlichen Verschlechterung der Qualität zu rechnen! Unsere jetzigen Erfolge bei PISA könnten dann möglicherweise schnell Erinnerung an bessere Zeiten sein!

Kern des Kompromisses zum Volksbegehren war die Aufnahme der Kennziffern für die Klassenbildung in das Gesetz als Ersatz für die bis dato erfolgte Festlegung über Ministererlasse.

Die Elternräte aus Chemnitz und dem Regionalschulamtsbereich Chemnitz haben sich damals maßgeblich um einen Kompromiß zum Volksbegehren bemüht. Damals bestand Vertrauen, dass auch umgesetzt wird, was abgesprochen wird.

Die derzeitigen Eingriffsversuche in das Schulnetz über einen - den gesetzlich Rahmen konterkarierenden - Ministererlass werfen die Frage auf, wie die Verhandlungspartner der CDU heute zu Ihren damaligen Zusagen stehen.

Wir bitten alle sich mit den Lehrern solidarisch zu zeigen, auch wenn hiermit zunächst auch Unterrichtsausfall verbunden sein mag. Der zu erwartende Unterrichtsausfall bei fortschreitendem Lehrermangel wird voraussichtlich deutlich schlimmer ausfallen!

Wir appellieren aber auch an die Lehrer, wie an alle an der Zukunft unserer Kinder und des Bildungs- und Innovationstandort Sachsen interessierten Bürger, uns bei unseren weiteren Bemühungen um einen grundsätzlichen Kurswechsel in der Lehrerpersonalpolitik des Freistaates zu unterstützen.

Wir haben lange an den Freistaat apelliert. Jetzt stehen wir mit dem Rücken an der Wand! Wir werden kämpfen! Das versprechen wir!

Die Rechnung für die Zukunft muß lauten:

Genug Lehrer = keine Notwendigkeit zur Klassenstärkenerhöhung !
Keine Notwendigkeit zur
Klassenstärkenerhöhung = keine Notwendigkeit zur Fördermittelverweigerung!

Anmerkung:

Der Kreiselternrat Chemnitz und der Kreiselternrat Dresden haben sich bei der Erstellung ihrer Presseerklärungen zu diesem Themenkomplex abgestimmt. Ungeachtet regional unterschiedlicher Bedingungen vertreten beide Kreiselternräte das gleiche Ziel - die Solidarisierung mit den Lehrern, den Wechsel in der Lehrerpersonalpolitik und die Einhaltung der vom Gesetz vorgegebenen Rahmenbedingungen für die Schulnetzgestaltung!

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