Podiumsdiskussion am 25. Oktober 2008

Podiumsmitglieder (v.l.n.r.): Lothar Sack - Vorsitzender der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschulen / Siegfried Kost - Referent für Bildung im Sächsischen Landtag (SPD) / Barbara Ludwig - Oberbürgermeisterin von Chemnitz (SPD) / Andreas Müller - Vorsitzender des Kreiselternrates Chemnitz (CDU/seit 11.11.2008 parteilos) / OStD Frank Haubitz - Schulleiter des Gymnasium Klotzsche in Dresden und Vorsitzender des Sächsischen Philologenverbandes

Für den 25. Oktober 2008 hatte die Lehrererwerkschaft GEW zu einer Podiumsdiskussion zum Thema “Gemeinsam länger Lernen - Gemeinschaftsschule” in die Aula der Chemnitzer Annenschule geladen.
Eingeleitet wurde die Veranstaltung durch einen sehr interessanten Vortrag von Herrn Sack zu seiner Gesamtschule (Fritz-Karsen-Schule (FKS) in Berlin- Neukölln). Die Vorstellung der Schule in Berlin erfolgte mit Darstellungen von vielen neuen Ideen. Leider gelang es ihm dabei aber kaum, die eigentlichen Vorteile der Gesamtschule als solche heraus zu kristallisieren. Statt dessen wurden im Wesentlichen die Vorteile betont, wie z.B. das Anbieten von Differenzierungen, Kursbildung usw., welche aus einer Mehrzügigkeit resultieren. Das dies an dieser Schule hervorragend fünktioniert, ist unbestritten. Allein die Mehrzügigkeit (teilweise mehr als 6 Züge) und hohe Schülerkonzentration (ca 1300 zuzügl. Grundschulstufe) hat neben ihren Vorteilen auch eine Reihe von Nachteilen. Hier wäre es wünschenswert gewesen, mehr zu erfahren, wie jene Nachteile derart gut kompensiert werden konnten.

Unsere Oberbürgermeisterin Frau Barbara Ludwig “outete” sich zunächst als klare Verfechterin der Gesamtschule und des gemeinsamen, längeren Lernens, ging dann aber vor allem auf bereits Erreichtes und aus ihrer Sicht unbedingt noch Anzustrebendes zur Verbesserung des Bildungsbereiches im Allgemeinen ein.
Herr Müller vertrat als Vorsitzender des KER-C in der Diskussion die Auffassung, dass zwar einerseits in der Elternschaft offensichtlich eine Mehrheit für längeres gemeinsames Lernen bestehe, andererseits aber in den letzten 20 Jahren die baulichen Voraussetzungen mit dem Umbau der 10-klassigen POS und der “Zerschlagung” von Doppelstandorten (Grund- und Mittelschule in einem Gebäudekomplex) hierfür weitgehend komplett “zerschlagen” wurden. Da bisher insbesondere in den Großstädten der Investitions- und Reparaturrückstau wächst - statt abzunehmen - ist es den Eltern unklar, woher die Mittel kommen sollen, die bereits realisierten Änderungen wieder zurückzubauen und und die Sanierungen gleichzeitig abzuschließen. Aus diesem Grund - und nur aus diesem - einigte sich der Kreiselternrat 2002 (noch unter Führung von Herrn Fenner) nach heftigen Diskussionen (es gab damals eine entsprechende Arbeitsgruppe zusammen mit Schulleitern) darauf, zusätzlich Mittel in erster Linie direkt in die Bildung zu stecken, statt einen schnellen und grundsätzlichen Strukturwandel einzufordern.
Herr Haubitz ging auf die Vorteile der frühen besonderen Förderung an den Gymnasien ein und hinterlegte dies anhand einiger guter Beispiele von seinem Gymnasium.
In der Folge wurde im Wesentlichen über Verbesserungen im Bildungswesen allgemein diskutiert. Dabei spielte eine zieldifferente Förderung eine große Rolle. Individualität sollte dabei vordergründig über den Ergänzungsbereich und über die Methodik umgesetzt werden. Die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit (möglichst deutschlandweit) könnte u.a. über einen gemeinsamen Grundlehrplan (mit differenzierten Ergänzungsplänen), Vergleichsarbeiten und einer einheitlichen Grundstruktur angegangen werden.
Ebenfalls angesprochen wurde die Wiedereinführung von Lernpatenschaften und die Öffnung des Bildungsweges nach oben.

Insgesamt dürfte sowohl für die Besucher als auch die Podiumsteilnehmer die Veranstaltung eine Reihe neuer Anregungen gebracht haben und somit durchaus als gelungen betrachtet werden.

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