Pressemitteilung: Förderschulen sind die sensibelsten Bestandteile unseres Bildungssystemes!

Die Förderschulen sind die Schulen, wo die Schüler und Schülerinnen beschult werden, welche einen besonderen Förderbedarf haben und Hilfe sowie besondere Rahmenbedingungen benötigen, um erfolgreich das Bildungssystem durchlaufen zu können.

Unsere Gesellschaft sortiert im allgemeinen Leben leider viel zu sehr aus. Wer anders ist, gehört oft einfach nicht mehr dazu. Das trifft Menschen mit körperlichen Einschränkungen genauso, wie Menschen mit Sprachfehlern, mit Lernstörungen, mit AD(H)S oder anderen Abweichungen von der “Norm”.

Sie erleben diese Ausgrenzung insbesondere im Kindesalter besonders hart. Gerade deshalb haben diese Kinder i.d.R. einen besonderen Bedarf an Geborgenheit, Gemeinsamkeit, Stabilität und festen dauerhaften Bezugspersonen. Schon kleinste Änderungen/Eingriffe in das System haben deutlich heftigere Auswirkungen auf diese Kinder als an anderen Schulen.

Am Montag Nachmittag erhielt der Kreiselternrat Chemnitz von der Elternvertretung der Schule Altchemnitz (Schule zur Lernförderung) die telefonische Mitteilung bezüglich einer komplexen Schulleiterumsetzung im Förderschulbereich.

Die Schulleiterin der Schule Altchemnitz, Frau Goerlitz, soll an die Chemnitzer Körperbehindertenschule versetzt werden und dort die sehr erfolgreiche Schulleiterin, Frau Lehmann, ablösen. Frau Lehmann soll an die Sächsische Blindenschule Chemnitz versetzt werden und dort die Schulleitung übernehmen.

Beide Schulleiterinnen zählen zu den besonders engagierten und bei Eltern und Schülern sehr beliebten Schulleiterinnen unserer Stadt und zeichnen sich durch einen hohen Grad von Sensibilität für “ihre” Kinder aus.

Der Vorstand des Kreiselternrates Chemnitz hat sich in diesem Zusammenhang mit beiden Schulen in Verbindung gesetzt und dabei feststellen müssen, dass wie erwartet bei beiden Schulen die Umsetzung nicht auf Gegenliebe und Begeisterung trifft.

Frau Goerlitz hat die Schule Altchemnitz über 15 Jahre lang aufgebaut. Ihr Weggehen wäre ein großer Verlust für die Schule.
Auch wenn hier offensichtlich die mit der Schule vertraute stellv. Schulleiterin, Frau Bäurich, zunächst kommissarisch nachrücken soll und die Bildungsagentur mit zusätzlichen Lehrerstellen kompensierend regulieren möchte, wird doch das Gesamtsystem der Schule zunächst empfindlich gestört.
Tränen in den Augen der Kinder - als sie von der Umsetzung erfuhren (wie zur gestrigen Elternratssitzung der Schule immer wieder angesprochen) - sagen mehr als Worte oder Proteste. Sie zeugen von der besonders hohen Sensibilität, mit der hier unbedingt vorgegangen werden muss.

Heute morgen fand eine Besprechung diesbezüglich mit Elternvertretern der Schule Altchemnitz und des Kreiselternrates Chemnitz in der Sächsischen Bildungsagentur statt.
Hierbei hat die Sächsische Bildungsagentur avisiert, zusätzliche Unterstützung bei der Ausgestaltung der Ganztagsangebote sowie bei der Absicherung der Förder- und Ergänzungsangebote leisten zu wollen.
In der Besprechung war deutlich zu spüren, dass die Bildungsagentur die Probleme der Schule sehrwohl erkannt und sich sehr bemüht gezeigt hat, hier weiter Wege zu suchen, die negativen Einflüsse auf die Kinder so gering wie nur irgend möglich zu halten.

Frau Lehmann hat die Chemnitzer Körperbehindertenschule zu dem Leuchtturm für die Betroffenen entwickelt, den er heute darstellt. Nun stehen vor der Schule wieder große Aufgaben. Der Umzug in ein neues, schöneres Domizil ist erfreulicherweise endlich nicht mehr in utopischer Ferne.
Der Weggang der beliebten Schulleiterin trifft die Chemnitzer Körperbehindertenschule besonders hart, da sie zusätzlich auch nicht auf eine langjährig mit der Schule vertraute stellv. Schulleiterin zurückgreifen kann.
Da aber hier neben der Organisation der eigentlichen Unterrichts- und Förderprozesse besonders sensible und komplexe Nebenprozesse stattfinden, angefangen von den besonderen Formen der Schülerbeförderung, über parallel laufende Therapien bis hin zur Absicherung der Unterbringung, ist es besonders schwer für eine neue Schulleiterin, wenn sie nicht auf routinierte Unterstützung und langjährige Erfahrungen ihrer Stellvertreterin mit den besonderen Anforderungen und der Leitung dieser Schule zurückgreifen kann.

Nach unserem Verständnis dürfte es unter den gegeben Voraussetzungen selbst für so eine gute und erfahrene Schulleiterin - wie Frau Goerlitz - schwer sein, bei längerfristiger Einarbeitungszeit (als  die kurze Ferienzeit) die Chemnitzer Körperbehindertenschule ohne spürbare Auswirkungen auf die Kinder fortführen und Frau Lehmann ersetzen zu können. Die Kürze der Einarbeitungszeit gerade im Zeitraum der Vorbereitung des neuen Schuljahres dürfte die Probleme mit großer Wahrscheinlichkeit nicht verringern, sondern eher vergrößern.

Der Kreiselternrat Chemnitz sieht durchaus die Notwendigkeit, eine sehr gute Schulleiterin an der Sächsischen Blindenschule Chemnitz zu haben.

Stabilität, Konstantheit und Sensibilität sind aber, wie schon mehrfach erwähnt, für Förderschulen unschätzbar wertvoll und wichtig und eigentlich unersetzbar. Sie zu unterbrechen sollte nach unserem Verständnis nur im äußersten Notfall erfolgen.

Wir möchten deshalb an alle Verantwortlichen - insbesondere in der Sächsischen Bildungsagentur Chemnitz und bei dem Sächsischen Staatministerium für Kultus  - ganz dringend appellieren, noch einmal zu prüfen, ob der gravierende und doch etwas überraschend kurzfristige Eingriff in zwei Förderschulen zur Stabilisierung einer dritten wirklich unvermeidbar ist, oder ob nicht doch noch Alternativen gefunden werden können.

In der Hoffnung auf eine gute Lösung für alle 3 Förderschulen

i.A. des Vorstandes
Andreas Müller
- Vorsitzender des Kreiselternrates Chemnitz -

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