Sachsenweiter Artikel in der Morgenpost vom 18.03.2007

Nach der völlig in die Irre gegangenen Berichterstattung in der Chemnitzer Lokalpresse der letzten Tage (um es einmal positiv zu formulieren), möchten wir Ihnen hier folgenden Text  nicht vorenthalten, der am  Sonntag, dem 18.März 2007 auf Seite 2 der Morgenpost sachsenweit erschienen ist.


Porno-Posse

Es hätte eine kleinkarierte Posse in einer sächsischen Großstadt sein können.
Posse  geht aber nur, wenn man darüber gemeinsam lachen kann.
Nur hier ist vielen das Lachen vergangen. Denn es geht nicht nur um unterschiedliche Meinungen, streitbare Personen, Einfluss und Macht sondern auch um Verklemmtheit, Parteienintrigen und wie man mit Rufmord unliebsame Kandidaten bei Wahlen verhindert.
Aber der Reihe nach. Da engagiert sich seit 10 Jahren ein zweifacher Vater nicht nur für das Wohl und die Erziehung  seiner, sondern aller Kinder in Chemnitz. Unentgeltlich, aber sachkundig und streitbar im Kreiselternrat. Gleichzeitig hat er eine Internetseite eingerichtet, um zu mitdenken und mitdiskutieren einzuladen.
Auf dieser Internetseite hatte er unter P18, auch erotisch-frivole “Späßchen” eingestellt, denen wir inzwischen täglich in keiner Boulevardzeitung oder Satirezeitung entgehen können. Geschmackssache!
Keiner der 10.000 Onlinebesucher  nahm daran Anstoß. Aber jetzt kommt’s!!!
Jetzt stellte sich dieser junge streitbare Mann zur Wahl für den Schulausschuss der Stadt.
Und er ließ unter der Hand verlauten, dass er auch gerne Kreisgeschäftsführer der CDU werden würde. Das erschien manchen im Vorfeld schon verhinderungswert.
Aus diesen Kreisen gab man deshalb einer “grünen” Politikerin den Hinweis sich doch einmal die “unglaublichen Eroticas” auf dieser Internetseite anzusehen. Sie war so sehr “geschockt” davon, dass sie in einer Mail alle Stadtpolitiker aufforderte, sich diese Präsentation anzusehen und bei ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen.
Ich vermute einmal, dass die meisten Stadtpolitiker diese Präsentation schon kannten, oder sich selbst seit Jahren schon gegenseitig zugesandt hatten.
Aber interne heuchlerische Entrüstung reichte nicht aus. Deshalb musste es an die Presse gegeben werden.
Und der erstaunte Bürger las: Pornobilder auf der eigenen Internetseite. Kreiselternratchef unter Druck. Und wer ganz selektiv die Zeitung liest, las: Kinder, Mädchen, Pornos. Immer verbunden mit dem Namen eines bekannten, unbescholtenen und engagierten Mannes.
Natürlich wurde er nicht gewählt. Natürlich hatte man jetzt auch die Begründungen für die Nicht-Wahl.
Natürlich gab es jetzt auch die gut gemeinten Ratschläge an ihn, sich nicht noch für weitere Stellen zu bewerben, weil er nach diesen Vorwürfen nicht vermittelbar sei.
Natürlich lud ihn die TU Chemnitz von seinem Referat bei der sonntäglichen Pfiffikus-Veranstaltung wieder aus.
Natürlich müssen seine Frau, seine Töchter, seine Eltern das Tuscheln, abschätzige Grinsen und sensationslüsterne Betrachten anderer über sich ergehen lassen. Denn immerhin haben sie ja einen in der Familie, der sich (vorgeblich) für Kinder engagiert und gleichzeitig Pornographie im Internet plakatiert.
Um einen Menschen zu erledigen braucht man nicht unbedingt eine Waffe, eine künstlich provozierte Schlagzeile kann es auch.
Porno-grafie  heißt wörtlich übersetzt Huren-Schrift.
Oft wird Politik als Hure bezeichnet. Das ist sie nun wirklich nicht. Obwohl man bei manchen intriganten Vorgängen in der Politik schon den Eindruck haben könnte.
Oder?

Heinz Eggert
Staatsminister a.D, MdL

(abgedruckt in der Morgenpost vom 18.03.2007/hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors)

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