Der Vertreter des KER-C im Schulauschschuß zur Lenkung

Unser beratender Bürger im Schulauschuß, Dipl. Ing. Andreas Müller, sah sich - er hat immerhin jahrelang selbst als Vertreter des KER-C an den Lenkungsgesprächen hauptsächlichen Anteil genommen - gezwungen, entsprechend seiner reichen Fachkenntnis einen Kommentar zum gerade stattfindenden Lenkungsverfahren der Mittelschulen abzugeben.

“Mißglückte” Beratung, “mißglückte” Lenkung, “mißglückte” Klassenbildung  - 3 Möglichkeiten, die das gerade keimende Vertrauen in das neue Schulgesetz grundlegend zerstören können, wenn wir uns nicht wieder auf Bewährtes rückbesinnen!

Er weist auf die überaus positiven Erfahrungen der Vergangenheit hin, und kritisiert scharf des derzeitige Vorgehen und beschreibt die Folgen.


“Mißglückte” Beratung, “mißglückte” Lenkung, “mißglückte” Klassenbildung  - 3 Möglichkeiten, die das gerade keimende Vertrauen in das neue Schulgesetz grundlegend zerstören können, wenn wir uns nicht wieder auf Bewährtes rückbesinnen!

Die Stadt Chemnitz und der Kreiselternrat Chemnitz haben sich im vergangenen Jahr auf eine “Pärchenbildung” (1) bei der Klassenbildung der Klassenstufe 5 in Mittelschulen geeinigt und dies durch entsprechende Beschlüsse des Kreiselternrates und des Stadtrates hinterlegt. Dabei wurde auf ein Verfahren (s.h.u. unter 1) zurück gegriffen, welches bereits mehrjährig bei Grundschulen in Chemnitz erfolgreich praktiziert wurde (Euba - Kleinolbersdorf) und diesen über das Geburtenloch bei den Grundschulen hinweg geholfen hat.

Obwohl in der Schulnetzplanbestätigung vom Sächsischen Ministerium für Kultus nicht als zwingend vorgesehen (wohl aber von diesem favoritisiert), wurde die Stadt und der Kreiselternrat Chemnitz mit Nachdruck seitens des Regionalschulamtes in Richtung der einzügigen Einschulung (statt der Pärchenbildung) bedrängt. Man einigte sich schließlich auf diese Variante unter der Maßgabe, daß analog der vergangenen Jahre eine entsprechende Lenkung so erfolgt, daß die genehmigte Schulnetzplanung abgesichert werden kann. Dies wurde in einer gemeinsamen Erklärung letztlich auch im Frühjahr in den Medien veröffentlicht.

Nach Eingang der diesjährigen Bewerbungen für die Mittelschulen wurde in einer Besprechung im Regionalschulamt Chemnitz den Eltern dann aber allen Ernstes mitgeteilt, daß “… mit dem neuen Schulgesetz die Direktoren mehr Verantwortung bekommen haben und deshalb diese für die Lenkung der Schüler verantwortlich sind! …” (2) Das Regionalschulamt wolle hierauf keinen Einfluß nehmen. Deshalb fänden im Gegensatz zu den beiden letzten Jahren keine Lenkungsgespräche statt. (3) Gleichzeitig wurde in dieser Besprechung den Elternvertretern mitgeteilt, daß sowohl die Schloß-Mittelschule, als auch die Flemming-Mittelschule und die Mittelschule Altendorf durch Umlenkung bei den Zweitwünschen (4) zur erfolgreichen Klassenbildung kommen können.

In dem folgenden Gespräch des Kreiselternrat Chemnitz mit Regionalschulamt Chemnitz und Stadtverwaltung Chemnitz, wurde seitens des Regionalschulamtes deutlich gemacht, daß Umlenkungen der Zweitwünsche zu Schulen mit laufenden Verfahren zum Mitwirkungsentzug (5) nicht erfolgen dürften. Es wurde nochmals bekräftigt, daß allein die Schulleiter für die Lenkung verantwortlich seien.

Mittlerweilen steht allerdings fest, daß sowohl unterschiedliche Kriterien an die Einleitung eines Verfahrens zum Mitwirkungsentzug angelegt (6), als auch dann in der “Lenkung” unterschiedlich mit dem “Verbot” zur Umlenkungen der Zweitwünsche zu Schulen mit laufenden Verfahren zum Mitwirkungsentzug  umgegangen (7) wurde. Gleichzeitig existieren Schreiben, wo das Regionalschulamt entsprechend seines gesetzlichen Auftrages (allerdings im Gegensatz zu seinen Aussagen gegenüber den Elternvertretern) sehrwohl massiv in die Lenkung eingegriffen hat.

Das derzeit real sich bietende Bild bezüglich der Einschulungen ist gekennzeichnet von 4 Mitwirkungsentzügen im Mittelschulbereich (davon 2 definiv vermeidbar!)  und einer Unzahl von einzügig betriebenen Mittelschulen, welche in den kommenden Jahre imense Probleme bei der Ausbildung der Trennung von Haupt- und Realschule haben werden (siehe Beispiel Mittelschule Reichenbrand (8)), die bis zu weiteren Mitwirkungsentzügen führen werden!

Insbesondere den schwächsten Schüler unserer Stadt, die Hauptschüler, denen wird man zumuten,  in der Klasse 7 an die Schulen zu wechseln, wo Hauptschulklassen aufgemacht werden können. Eine Situation, die sich mit Sicherheit nicht lernfördernd auswirken wird.

Die Vorgehensweise in diesem Jahr wirft den traurigen Schatten des kompletten Versagen von uns allen, die wir Verantwortung für die Kinder unserer Stadt übernommen haben. Die Vertreter des Regionalschulamtes, weil sie die bisherige erfolgreiche gemeinsame Lenkung einseitig nicht mehr zugelassen und gleichzeitig auf einer Variante zur Geburtenlochüberbrückung bestanden haben, die selbst bei gutem Willen kaum kalkulierbare Risiken und Probleme birgt, obwohl gerade sie, als Schulaufsicht wissen mußten, daß dies für zahlreiche Schulen in Wirklichkeit eine direkte Reise ins Aus ist.

Es ist aber auch ein Versagen der Stadt, welche sich unter dem Eindruck der gigantischen zu erwartenden Haushaltlöcher und dem rießigen Sanierungsrückstau unserer Schulen entgegen der beiden vergangenen Jahre nicht mehr hinter ihre Kinder und Eltern (ihre Bürger) gestellt, und  ohne nennenswerten “Widerstand” gravierenden Schulnetzrückbaukonzeptionen zugeneigt, die Eltern nicht oder ungenügend über die laufenden Verfahren fair und rechtzeitig informiert hat!

Nicht zuletzt ist es auch ein Versagen von uns Eltern, daß wir die Vorschläge der Schulaufsicht nicht auf ihre fachliche Durchführbarkeit geprüft und daß wir im falschen Vertrauen auf das in den letzten Jahren sehr faire Verhältnis mit Stadt und Regionalschulamt nicht bereits bei den Vorboten im November - Dezember 2003/Januar 2004 (s.h. auch die Presseerklärung zum Ruhen meiner Tätigkeit im Schulausschuß) eine entsprechende Öffentlichkeit hergestellt haben.

Angesichts des “Scherbenhaufens des Vertrauens” sollten sich alle Seiten schnellstens darauf zurück entsinnen, wofür wir alle wirken sollen - für die Zukunft unserer Kinder. Manches ist, bei gutem Willen noch kurzfristig reparabel, vieles erst nächstes Jahr und manches gar nicht mehr.

Vor allem muß die Lehre für das nächste Jahr lauten:
1. Wiedereinführung der Pärchenbildung!
2. Wiedereinführung der gemeinsamen Lenkung!
3. Fortschreibung der Schulnetzplanung anhand der tatsächlichen (deutlich positiveren,
als gemeinhin dargestellten) Geburtenzahlen und Prognosen!
4. Vorbereitung der jetzt nicht umgesetzten Pärchenbildung für den Zeitpunkt, wenn die
diesjährig in Mittelschulen einschulenden Klassenstufe die 7. Klasse erreichen und
zahlreiche Klassen infolge Haupt- und Realschultrennung nicht mehr die notwendigen
Mindestzahlen für die Klassenbildung erreichen!

Und hier kann ich nur alle dringendst bitten: Verspielt diese Chance nicht noch einmal ! Wir werden keine weitere haben!

Wir brauchen für die Umsetzung der Möglichkeiten des neuen Schulgesetzes in erster Linie Vertrauen und gegenseitige Zusammenarbeit. Wer dies jetzt bei der Gestaltung der Schulnetzstruktur in Frage stellt, verspielt das Vertrauen in die mit dem neuen Schulgesetz verbundene gemeinsam gewollte Verbesserung des Schulsystems.

In Hoffnung auf Einsicht



Dipl.-Ing. Andreas Müller
(1) “Pärchenbildung”
Pärchenbildung bedeutet das wechselseitige Einschulen zweier benachbarter Schulen während des Geburtenloches. Somit setzt während der Zeit des Geburtenloches nur jeder zweiter Jahrgang der betroffenen Schulen aus und keine Schule muß geschlossen werden. Im Gegensatz hierzu wäre bei zweimaligem Hintereinander-Aussetzen eine Aufhebung der Schule beinahe zwangsläufig!

(2) “Klassenbildung”
Die Klassenbildung ist ureigendste Aufgabe der Schulaufsicht. Dies ist u.a. in einer Verordnung des Sächsischen Kultusministerium zur Klassenbildung geregelt. Direktoren haben ein entsprechendes Mitbestimmungsrecht  zur Klassenbildung an ihren Schulen, die gerelle Lenkung, insbesondere bezüglich der Umsetzung der Zweitwünsche bei Überschreitung der Aufnahmekapazitäten der Erstwunschschule erfolgt jedoch nach den Vorgaben der Schulaufsicht.

(3) “Lenkungsgespräche”
2002 und 2003 wurden gemeinsame Lenkungsgespräche unter Beteilung von Regionalschulamt Chemnitz, Stadtverwaltung Chemnitz und Kreiselternrat Chemnitz durchgeführt. Diese waren nicht immer ganz einfach, aber immer im Wesentlichen erfolgreich und in jedem Fall vertrauensbildend!
Das Regionalschulamt ist zu dieser Form der Beteiligung von Schulträger und Elternvertretern nicht ausdrücklich verpflichtet und sah “deshalb” dieses Jahr keine Notwendig zur geinsamen Durchführung der Lenkung, d.h. setzte sie aus!

(4) “Zweitwünsche”
Nicht immer verfügt die Wunschschule über ausreichend Aufnahmekapazitäten, um alle Bewerber aufnehmen zu können. Hierfür müssen die Eltern eine Zweitschule angeben, an welche dann umgelenkt werden soll. Dies wird Zweitwunsch genannt.

(5) “Mitwirkungsentzug”
Die Kommune ist für die Bereitstellung der sächlichen Mittel und des Schulgebäudes zuständig, das Land für die Bereitstellung der Lehrer. Stehen nicht genügend Schüler für die Bildung der notwendigen Klassen zur Verfügung, entzieht das Land i.d.R. seine Mitwirkung, d.h. die Lehrer.

(6) “Unterschiedliche Kriterien in Chemnitz bei Einleitung eines Verfahren zum Mitwirkungsentzug”
In Chemnitz wurden Verfahren zum Mitwirkungsentzung eingeleitet bei 2 Schulen, die 16 bis 18 Anmeldungen hatten, während eine Schule mit 10 Anmeldungen kein Verfahren erhielt. Generell positiv ist anzumerken, auch wenn hier ein grundsätzlicher Verstoß gegen das Gleichheitsgebot besteht, kann unterstellt werden, daß damit ein zweites Aussetzen jener Schule verhindert werden sollte, was für diese zwangsläufig zum Aus geführt hätte, da sie bereits im Vorjahr keine Schüler aufnehmen konnte. Gleiches hätte aber auch durch eine entsprechende Beurteilung bezüglich der Zweitwünsche trotz Einleitung eines solchen Verfahrens realisiert werden können.

(7) “Unterschiedliche Umgang mit der Lenkung in Chemnitz bei laufendem Verfahren zum Mitwirkungsentzug”
Während zu einer Schule mit 10 Anmeldungen trotz laufenden Verfahrens Umlenkungen zugelassen und veranlaßt wurden, blieb dies bisher anderen mit 16 bzw. 18 verwehrt.

(8) “Trennung von Haupt- und Realschule in der 7. Klasse
In der 7. Klasse werden entsprechend Bildungsempfehlung die Mittelschulklassen in Haupt- und Realschulklassen getrennt. Es können auch Hauptschulgruppen gebildet werden. Dabei muß eine Hauptschulgruppe mindestens 12 Schüler umfassen!
Dies wird bei Klassenstärken von einzügig 20 bis 25 Schüler pro Jahrgang zwangsläufig zu weiteren Mitwirkungsentzügen in der Größenordnung von ca. 1/3 der jetzt einschulenden Mittelschulen führen müssen!
Derzeitiges Beispiel ist die Klassenbildung an der Mittelschule Reichenbrand, wo zwei Klassen zu einer Klasse mit 30 Schülern zusammengefaßt werden sollen, während die 6 Hauptschüler (neben den Hauptschülern von Schönau) möglichst zur Mittelschule Grüna umgesetzt werden sollen.


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